Etappeninfo
- 12.09.2024
- Fort William → Glasgow → Amsterdam → Düsseldorf
- Schritte: 9.659
- 6,9 km
Herzlich willkommen zum zehnten und letzten Eintrag meines Reisejournals auf dem West Highland Way!
Diese Fernwanderung habe ich gemeinsam mit meinem Vater Stephan unternommen – daher schreibe ich im Journal meist in der Wir Form. Begleite uns auf unserem Weg durch die raue und wunderschöne Landschaft Schottlands, von den sanften Hügeln bis zu den wilden Highlands.
Abschied vom West Highland Way
Morgens konnte ich es immer noch nicht fassen, dass wir den West Highland Way tatsächlich bezwungen hatten. Der Rhythmus der letzten Tage ließ mich natürlich viel zu früh aufwachen. Unser Bus sollte Fort William um 11 Uhr verlassen, also hatten Papa und ich genug Zeit, unsere Rucksäcke flugfertig zu packen – was in erster Linie bedeutete, dass wir die Wanderstöcke und natürlich unsere heiß geliebten Crocs verstauen mussten. Ehrlich gesagt hätte ich die Crocs gerne für die Heimreise angelassen, aber die Wanderstiefel mussten ja auch irgendwo hin. Platzmangel und so!
Letzte Stempel, letzte Blicke
Wir verabschiedeten uns vom Black Sheep Bunkhouse (echt ein super Bunkhouse) und schlenderten gemütlich in Richtung Stadtzentrum, um uns noch schnell die letzten Stempel für unseren Wanderpass zu holen. Ja, auch auf dem West Highland Way gibt es so einen Pilgerpass wie auf dem Camino! In jedem Ort konnten wir uns einen Stempel abholen, und bis auf zwei haben wir sie alle fleißig gesammelt. Der Erlös des Passes fließt in die Instandhaltung des Weges – also eine gute Sache! Zudem hatte man mit dem Stempeln eine kleine zusätzliche Mission und kam mehr mit den Einheimischen in Kontakt. Win-win!
Die Stadt war ruhig, und wir genossen die entspannte Atmosphäre. Bevor es zum Bus ging, gaben wir uns noch unserem neuen Urlaubshobby hin: People Watching. Es war spannend zu erraten, wer von den Wanderern den Weg schon hinter sich hatte und wer noch voller Tatendrang war.
Rückreise mit Hindernissen
Dann war es so weit: Unser Bus kam, wir luden unsere Rucksäcke ein und ließen uns für die nächsten drei Stunden gemütlich durch die schottische Landschaft chauffieren. Lustigerweise fuhren wir fast exakt die gleiche Strecke zurück, die wir zuvor erwandert hatten – diesmal eben im Sitzen. Mit jedem Loch und jedem Berg, den wir wiedererkannten, kamen all die schönen Erinnerungen hoch. Kurz vor Glasgow gönnten wir uns dann auch ein kleines Nickerchen.
Am Flughafen angekommen, hieß es warten, warten und… richtig, warten. Unser Flieger nach Amsterdam hatte natürlich Verspätung. Papa und ich vertrieben uns die Zeit mit noch mehr People Watching und dem Schreiben dieser Berichte. Als wir endlich im Flugzeug saßen, war der Flug bereits eine Stunde verspätet, was bei einigen Mitreisenden für panische Gesichter sorgte – schließlich standen Anschlussflüge auf dem Spiel. Wir dagegen hatten Glück und mussten uns in Amsterdam sowieso länger aufhalten, also blieb unsere Laune entspannt.
Der Flug selbst war… nun ja, turbulent. Ich war heilfroh, als wir sicher in Amsterdam landeten. Doch die Abenteuer waren noch nicht vorbei! Unser Anschlussflug nach Düsseldorf wurde auch verzögert – wir standen eine geschlagene Stunde auf dem Rollfeld. Angeblich gab es am Flughafen in Amsterdam riesige Bauarbeiten. Aber hey, wir hatten es nicht eilig. Am Ende landeten wir sicher in Düsseldorf, und unser Gepäck war sogar mit uns angekommen. Yay!
Zuhause mit Brötchen und Betonfüßen
Mit dem Skytrain fuhren wir dann zum Flughafenbahnhof, wo uns die liebe Elke abholte (Danke, Elke!) und uns nach Hause brachte. Dort mussten wir den armen Michele aus dem Bett klingeln, weil wir ja keinen Schlüssel mithatten (Danke, Michele!). Elke hatte uns auch noch ein paar frische Brötchen mitgebracht, die wir um kurz nach Mitternacht verputzten.
Ich kann euch sagen, ich bin auf der Couch eingeschlafen, und ab da war der Schlaf tief und fest. Papa und ich waren wohlbehalten zurück, und das Abenteuer fand sein Ende. Die Wanderschuhe wurden gegen Sneakers getauscht, die schmutzigen Klamotten in einen Sack verbannt, und ich schwor mir, sie so bald nicht wieder anzufassen.
Rückblick von Stephan
Völlig unabhängig voneinander sind Ella und ich zu einer sehr ähnlichen Zusammenfassung gekommen: Obwohl die Highlands so schön grün sind, haben wir Millionen von Steinen gesehen. Man kann den Blick nur in die Ferne schweifen lassen, wenn man stehen bleibt. Wenn man läuft, muss man nach unten schauen und für jeden Schritt eine Entscheidung treffen.
Sehr zutreffend und doch war es ein wunderbares Erlebnis. Die Natur ist einfach fantastisch und hinterlässt bleibende Eindrücke! Wir haben viele nette Menschen getroffen und interessante Gespräche geführt. Ehrlicherweise habe ich nicht alle verstanden. Die Waldarbeiter im Bunkhouse und der ältere Herrn im Pub, die hatten schon einen heißen Slang drauf…
Würde ich den West Highland Way noch einmal laufen? Vielleicht. Aber jetzt ist die Lust auf andere Reisen und Wanderwege geweckt.
Würde ich den West Highland Way weiterempfehlen? Auf jeden Fall!
Der West Highland Way ist ja ein Fernwanderweg; ja, man macht schon einige Höhenmeter, nimmt einige Pässe mit grandioser Aussicht, aber für die Abstecher auf die Gipfel fehlt halt die Zeit, wenn man noch einige Tageskilometer bis zum Ziel vor sich hat.
Genau das würde mich aber schon noch reizen. Vielleicht sieht mich/uns Schottland ja noch mal wieder.
G a n z l i e b e n D a n k I s a !, dass du dieses Erlebnis mit mir geteilt hast! Ich bin bereit für mehr!
Rückblick von Ella
Jetzt, eine Woche später, kann ich sagen: Der West Highland Way war ein unglaubliches Erlebnis, und ich kann jedem nur ans Herz legen, ihn selbst zu wandern. Egal welches Erfahrungslevel – man kann die Route so anpassen, dass sie für jeden machbar ist. Die Landschaft ist atemberaubend: Lochs, Highlands, Schafe, und wenn man Glück hat, auch mal eine zottelige Highland-Kuh. Besonders gefallen haben mir die Aussicht vom Conic Hill, die Etappe zwischen Bridge of Orchy und Victoria Bridge und natürlich die Etappe von Victoria Bridge nach Kingshouse. Die Weite und Stille dort sind einfach magisch. Auch die Zeltübernachtungen waren unvergesslich. Ja, man musste auf dem Weg echt aufpassen, wo man hintritt, weil es so steinig war. Aber dadurch schätzte man jede Pause, um die Natur in sich aufzunehmen.
Das Beste an dieser Reise? Ich konnte sie mit meinem Papa teilen. Am Abend vor dem Flug nach Schottland hatten wir beide ein bisschen Bammel, ob wir das schaffen würden. Aber was ich nie bezweifelt habe, war, dass Papa und ich gut miteinander auskommen würden. Er war mein stetiger Motivator, immer einen Schritt voraus (wortwörtlich!) und hat nie seine Geduld verloren – egal, wie oft ich Pausen brauchte. Kein einziges Mal hat er sich beschwert oder gejammert. Papa, du warst für mich ein echtes Vorbild in Sachen Durchhaltevermögen und der richtigen Einstellung. Wer kann schon von seinem Vater behaupten, dass dieser acht Tage durch die Wildnis Schottlands wandert, mit vollem Gepäck auf dem Rücken und Übernachtungen im Zelt? Ich kann das. Danke, Papa! Ich hoffe, wir machen noch viele weitere Abenteuer zusammen.
P.S.: Unser letztes P.S. dieser Reihe
Habt ihr gemerkt, dass meine Berichte zwischendurch einen kleinen Ghostwriter hatten? Die meisten P.S.-Beiträge stammen tatsächlich von Papa – vielen Dank dafür, Papa! 🙂