West Highland Way – Tag 1: Die Anreise

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Etappeninfo

Herzlich willkommen zum ersten Eintrag meines Reisejournals auf dem West Highland Way!

Diese Fernwanderung habe ich gemeinsam mit meinem Vater unternommen – daher schreibe ich im Journal meist in der Wir Form. Begleite uns auf unserem Weg durch die raue und wunderschöne Landschaft Schottlands, von den sanften Hügeln bis zu den wilden Highlands.

Aufbruch ins Abenteuer

Heute hat unser Abenteuer auf dem legendären West Highland Way begonnen! Die schottischen Highlands rufen und wir sind gespannt, was uns auf den kommenden 154 Kilometern erwartet.

Der erste Tag startete sehr früh: Der Wecker klingelte um 3:15 Uhr, und unsere Gehirne liefen da noch eindeutig im Energiesparmodus. Im Halbschlaf haben wir uns irgendwie angezogen und sind – dank der Hilfe meiner Schwester – schon gegen 4 Uhr am Flughafen angekommen.

Unser Flug von Düsseldorf nach Amsterdam verlief reibungslos, und nach einer halben Stunde waren wir schon gelandet. Doch dann wurde es spannend: Unser Flug landete um 7:20 Uhr, und das Boarding für den Anschlussflug begann bereits um 7:30 Uhr. Natürlich landeten wir gefühlt am anderen Ende des Flughafens, was uns einen strammen Marsch durch den Flughafen Amsterdam bescherte. Wenigstens haben unsere Wanderschuhe dabei schon mal einen ersten Test bestanden!

Für zwei Abenteurer der Beginn einer
Hier ist die Vorfreude noch groß und das müde Gehirn noch nicht ganz wach.

Panik vor dem Abflug: Die Schuh-Krise

Apropos Wanderschuhe: Neben gut vorbereiteter Kondition (hust hust) gehört natürlich auch die richtige Ausrüstung zu einem Abenteuer wie dem West Highland Way dazu. Auch wenn wir diese Reise recht spontan gebucht haben (vor gerade mal sechs Wochen), haben wir seitdem fleißig unsere Ausrüstung zusammengetragen.

Ein großer Rucksack, ein Zelt und passende Kleidung durften nicht fehlen – was wir nicht leihen konnten, haben wir gekauft.
Allerdings gab es einen kleinen Schockmoment: Auf dem Weg nach Düsseldorf fiel mir auf, dass sich bei meinen geliebten Wanderschuhen, die mich schon auf dem Camino in Spanien begleitet haben, die Sohlen vorne lösten! Ein absoluter Alptraum vor einer solchen Reise.

Option 1: Der Schuster

Meine erste Idee war, meine geliebten, gut eingelaufenen Wanderschuhe von einem Schuster reparieren oder neu besohlen zu lassen – idealerweise innerhalb eines Tages. Der empfohlene Schuster hatte natürlich geschlossen, also musste der nächstbeste herhalten.
Er begutachtete die Schuhe und meinte, er könne sie zwar kleben, aber der Kleber könne „zwei Stunden oder auch mehrere Jahre“ halten – eine ausgesprochen beruhigende Einschätzung.

Das Risiko bei dieser Variante: undichte Schuhe in vermutlich einem der nassesten Länder Europas.
Plan B in diesem Szenario? Die Sohlen mit Duct Tape fixieren – oder den gesamten West Highland Way in Crocs zurücklegen.

Option 2: Neue Wanderschuhe

Die zweite Möglichkeit: ein neues Paar Wanderschuhe. Da ich meine Meindl heiß und innig liebe, kam es für mich gar nicht erst infrage, eine andere Marke in Betracht zu ziehen.

Natürlich birgt das Tragen neuer, noch nicht eingelaufener Schuhe auf einer solchen Tour ein gewisses Risiko – Blasen, Druckstellen und schmerzende Füße lassen grüßen.

Plan B in diesem Fall? Blasen tapen, Zähne zusammenbeißen – und im schlimmsten Fall den Weg in Crocs fortsetzen.

Hier verabschiedet sich meine Sohle von dem Rest des Schuhs
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Erste Lösung Panzerband....
Option 2: Neue Schuhe
Papas Schuhe sind schon Wochen vor der Reise vorbereitet

Entscheidung vertagt – aber Crocs bleiben dabei

Ich weiß ja nicht, wie ihr euch entschieden hättet … Aber ich habe mir kurzerhand ein zweites Paar gekauft, um mir alle Optionen offenzuhalten.
Die finale Entscheidung? Die wollte ich ganz spontan, nach Bauchgefühl, am Morgen der Abreise treffen.

Ihr seht, meine Crocs sind irgendwie der heimliche Star dieser Reise.

Am Ende habe ich mich widerwillig für die neuen Schuhe entschieden, was uns wieder zurück zu unserem Sprint durch den Amsterdamer Flughafen bringt.

Der flinke Marsch – inklusive einer kleinen Laufeinlage – fühlte sich in den neuen Schuhen überraschend gut an.
Mal sehen, ob sie diesen ersten guten Eindruck auf den nächsten 150 Kilometern halten können!

Ankunft in Glasgow – und ein kleines Wunder

Der Flug nach Glasgow verlief ebenfalls reibungslos, nach nur einer Stunde und zehn Minuten setzten wir schon wieder zur Landung an.
Während wir im Flieger saßen, fragten wir uns allerdings, ob unsere Rucksäcke den Sprint durchs Terminal genauso gut überstanden hatten wie wir.

Zum Glück: alles da! Und nicht nur das – unsere Rucksäcke kamen sogar als Erste aufs Gepäckband. Ein kleines Reise-Wunder zum Start!

Erste Eindrücke von Glasgow

Nach unserer Ankunft in Glasgow fuhren wir mit dem Bus ins Stadtzentrum und nutzten die Gelegenheit, noch ein wenig Sightseeing zu machen und die letzten Besorgungen zu erledigen.

Glasgow, die größte Stadt Schottlands, verbindet auf faszinierende Weise Geschichte und Moderne.Einst ein Zentrum der industriellen Revolution, hat sich die Stadt zu einem kulturellen Hotspot entwickelt, der für seine lebendige Kunstszene, Musik und Architektur bekannt ist.

Die beeindruckenden viktorianischen Gebäude, wie die Glasgow Cathedral und das imposante Kelvingrove Art Gallery and Museum, stehen im Kontrast zu zeitgenössischen Kunstzentren und innovativen Veranstaltungsorten.

Licht und Schatten einer Großstadt

Insgesamt hat Glasgow bei uns keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Stadt hat zwar durchaus ihre charmanten Seiten – historische Gebäude, grüne Parks und einige lebendige Viertel – doch viele Bereiche wirkten auf uns vernachlässigt und heruntergekommen. Teilweise sahen wir verfallene Häuser, aus deren Fenstern sogar Bäume wuchsen – ein Bild, das den Eindruck einer Stadt im Wandel, aber auch im Verfall, deutlich machte. Ich hoffe, wenn ich in meinem Leben nochmal nach Schottland komme dieser Stadt mit mehr Zeit noch einmal eine Chance zu geben. 

Der Duke mit dem Kegel

Trotz allem gab es auch echte Lichtblicke – allen voran unser Besuch bei einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Glasgows: dem Duke of Wellington.

Die Reiterstatue vor der Gallery of Modern Art ist nicht nur historisch bedeutsam, sondern vor allem für ihren ganz besonderen „Kopfschmuck“ berühmt: einen orangefarbenen Verkehrskegel.

Wann genau diese skurrile Tradition begann, weiß niemand so genau – aber sie ist längst zum Sinnbild für den eigenwilligen, humorvollen Geist der Glaswegians geworden. Die Stadt versuchte mehrfach, dem Spuk ein Ende zu setzen, entfernte den Kegel und wollte sogar die Statue höher setzen, um das Beklettern zu verhindern. Vergeblich.

Der Kegel tauchte jedes Mal wieder auf – bis die Stadt schließlich kapitulierte.

Heute ist der Duke mit dem Kegel ein inoffizielles Wahrzeichen und ziert zahllose Postkarten, Souvenirs und Selfies. Ein schönes Beispiel dafür, wie charmant der schottische Eigensinn sein kann.

Willkommen in Milngavie

Wegen unserem frühen Start – und der wachsenden Vorfreude auf das bevorstehende Abenteuer – machten wir uns zeitig auf den Weg nach Milngavie. 

Das charmante Städtchen nordwestlich von Glasgow markiert den offiziellen Beginn des berühmten West Highland Way. Mit seinen hübschen Straßen, kleinen Läden und gemütlichen Cafés bietet Milngavie genau den richtigen Ort, um noch einmal durchzuatmen, sich zu stärken und letzte Vorbereitungen zu treffen.

Der Weg beginnt – fast

Von hier aus wird uns der West Highland Way durch einige der spektakulärsten Landschaften Schottlands führen – vorbei an Loch Lomond, durch die wilden Highlands bis hin zum majestätischen Ben Nevis.
Milngavie ist somit nicht nur der Ausgangspunkt einer epischen Wanderung, sondern auch ein herzlicher Empfangsort für Outdoor-Enthusiasten wie uns.
Obwohl der eigentliche Start unserer Wanderung erst morgen ansteht, konnten wir es natürlich nicht lassen und haben schon mal die obligatorischen Startfotos am offiziellen Beginn des West Highland Way geschossen.

Ankommen und Runterkommen

Gegen drei Uhr konnten wir ins Hotel einchecken – und obwohl wir uns fest vorgenommen hatten, wach zu bleiben, haben wir schließlich doch kapituliert und ein kleines Nickerchen gemacht.
Frisch(er) aufgewacht, ging’s noch kurz in den Supermarkt und anschließend zum Abendessen.
Den Rest des Abends haben wir genutzt, um uns weiter auf die kommenden Tage einzustimmen – mit Karten, Wegbeschreibungen und einem ordentlichen Schuss Vorfreude.

Vorfreude und Regenwolken

Jetzt sind wir beide gespannt – und ein kleines bisschen nervös – vor dem morgigen Start. Vor allem, weil uns das schottische Wetter voraussichtlich direkt mit Regen begrüßen wird. Aber das gehört hier wohl einfach dazu.
Jetzt geht’s ab ins Bett – ich schreibe diesen Beitrag ohnehin schon fast mit nur einem offenen Auge. Morgen brauchen wir jede Menge Energie … der West Highland Way wartet!